Luftfreinigungsanlagen für Klassenräume: Stadt Bergheim gibt keinen müden Cent aus

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Was für Landtagsabgeordnete gut ist, kann doch für Schüler nicht schlecht sein.

Der Landtag Nordrhein-Westfalen hat sich was gegönnt: 41 fette Luftfilteranlagen. Auf presseportal.de ist zu lesen:

Mit gezielten Investitionen in neueste technologische Infektionsschutz-Lösungen beweist der Landtag NRW seine Handlungskompetenz und Vorbildfunktion. Um das Ansteckungsrisiko für Politiker, Mitarbeiter und Besucher zu minimieren, wurden insgesamt 41 Hochleistungsluftreiniger installiert. Die Arbeitssicherheit im Landtag wird damit im Zuge der Corona-Pandemie weiter ausgebaut.

Luftfilter der Luxusklasse im Landtag, während in den Schulen nach wie vor die Parole gilt: Alle 20 Minuten Fenster auf (wenn sie denn aufgehen), egal wie kalt es draußen ist.

Am 21. Februar 2021 habe ich den Bürgermeister der Stadt Bergheim per Mail gefragt:

  1. Welche Maßnahmen — von der Reparatur kaputter Fenster abgesehen — hat die Stadt Bergheim in den letzten Wochen und Monaten getroffen, um die Luftqualität in den Klassenräumen der Bergheimer Schulen zu verbessern? Wie viel Geld wurde dafür ausgegeben? (Mit Klassenräumen meine ich alle Räume einer Schule, in denen Unterricht stattfindet.)
  2. Hat die Stadt Bergheim vor, in den nächsten Wochen die Luftqualität in Bergheimer Klassenräumen zu verbessern? Wenn ja, wodurch?
  3. Das Land NRW hat den Erwerb mobiler Luftfiltergeräte für Schulen und Sporthallen nur dann gefördert, wenn Räume “nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen oder durch eine raumlufttechnische Anlage (RLT-Anlage) gelüftet werden können” (s. diese Seite auf des Bauministeriums). Das angeblich ausreichende “gezielte Fensteröffnen” hat die erneute Schulschließung nicht verhindert. Auf wdr.de ist zu lesen: “Die Förderrichtlinien seien ‘extrem eng’ gefasst, kritisiert Henning Mathes, Beigeordneter für Schule der Stadt Gütersloh. Andere Kommunen sehen es ähnlich. ‘Hier würde es helfen, wenn das Land eine Förderung zur Ergänzung der Fensterlüftung möglich machen würde.'” Wie sieht die Stadt Bergheim das? Hat die Stadt das Land NRW aufgefordert, sein Förderprogramm so auszuweiten bzw. zu erneuern, dass die Kriterien weniger streng sind und auch Klassenräume umfasst werden, in denen man Fenster zwar zur Belüftung “gezielt öffnen” kann, diese Belüftung aber durch zusätzliche Maßnahmen verbessert werden kann?

Ferner habe ich geschrieben:

Schlechte Luft in Klassenräumen ist von jeher ein Problem. Ich bitte Sie daher, — unabhängig von möglichen Förderprogrammen des Landes — geeignete Schritte einzuleiten, um die Luftqualität in Bergheimer Schulen zu verbessern. Manch andere Stadt geht voran:

“Nachdem Neukirchen-Vluyn schon in den Herbstferien alle städtischen Schulen mit mobilen Luftreinigern ausgerüstet hat, macht es nun auch Düsseldorf. 87 städtische Grundschulen werden bis März mit 4.000 Deckenluftreinigungsgeräten ausgerüstet, teilt ein Stadtsprecher mit.” (Meldung auf wdr.de, 14.2.2021, siehe auch hier)

Im Anhang (unten) finden Sie diverse Informationen und weitere Nachrichten zur Belüftung von Klassenräumen. Ich verweise insbesondere auf die vom Max-Planck-Institut entwickelten Low-Cost-Abluftanlagen:

“Die Konstruktion ist denkbar einfach und wurde mit Materialien aus dem Baumarkt im Wert von etwa 200 Euro umgesetzt: Über jedem Tisch hängt in etwa zwei Meter Höhe ein breiter Schirm, der mit einem Rohr verbunden ist. Alle Rohre führen in ein zentrales Rohr, das wiederum durch ein gekipptes Fenster nach draußen führt. Ein Ventilator am Ende des Rohrs sorgt dafür, dass die Luft aktiv nach außen transportiert wird.”

Ist das in Bergheim nicht umzusetzen?

Die Stadtverwaltung hat mir am 1. März 2021 zurückgeschrieben:

Die Verwaltung beschäftigt sich schon seit dem letzten Sommer mit dem Thema Belüftung in Klassenräumen und ist – um das vorweg zu nehmen – in einer direkten und aktuellen Korrespondenz zwischen unserem Bürgermeister und der zuständigen Ministerin, was die Änderung der Förderrichtlinien zur Beschaffung mobiler Luftfiltergeräte angeht.

Stand heute ist es nach wie vor so, dass die vom Bundesumweltamt veröffentlichten, zwischenzeitlich auch modifizierten Regelungen zur Lüftung in Klassenräumen Anwendung finden. Der Einsatz von mobilen Filteranlagen wird für Klassenräume mit möglichen Fensteröffnungen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen als mögliche Alternative beschrieben. Das Bundesumweltamt weist u.a. darauf hin, dass es keine Studien gibt, ob diese Technik auch schädlich sein kann. Es gibt auch schon Schulleitungen, die sich gegen den Einsatz von UV-Licht ausgesprochen haben, sollte eine solche Anlage in Betracht kommen.

Uns sind die von Ihnen zitierten Quellen sehr wohl bekannt. In der Berichterstattung des WDR wir ja schon ausdrücklich formuliert, dass der Einsatz dieser Geräte in der Fachwelt umstritten ist. Unter anderem wird in einem WDR-Beitrag berichtet, dass die Universität Düsseldorf und das Gesundheitsamt eine Studie durchführen wollen mit dem Ziel, die Wirksamkeit und die Folgen des Einsatzes von mobilen Luftfilteranlagen in Klassenräumen zu untersuchen. Gerade in Bezug auf Klassenräume fehlt also diese Expertise.

Wir sind als Schulträger sehr daran interessiert, die Möglichkeiten zur Verhinderung der Ausbreitung des Virus zu nutzen, soweit sie angemessen, sinnvoll und zielführend sind. In diesem Sinne halten wir uns weiter auf dem Laufenden und führen auch die Korrespondenz mit den Ministerien weiter fort.

Sollte es hier zu neuen Erkenntnissen und Handlungserfordernissen kommen, wird die Verwaltung im zuständigen Ausschuss berichten.

Tja, wo kein Wille ist, da ist auch kein Weg. Was für Landtagsabgeordnete gut ist, kann doch für Schüler nicht schlecht sein. Aber vermutlich gibt man für Schüler nicht so gerne Geld aus.

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