Schulausschuss hat kein Interesse an Lüftungsanlagen für Bergheimer Schulen

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Das Problem “Schlechte Luft in Schulen” ist nur einem Ausschussmitglied eine Wortmeldung wert. — Wo kein Wille ist, da ist auch kein Weg.

Die Fraktion MDW!-Die Linke hat einen 210403_korr_Antrag_Die_Linke_Luftreinigungsanl_AfBSK_20.04.2021“>Antrag an den Schulausschuss1 des Bergheimer Stadtrats gestellt, um die Luftqualität in Klassenräumen städtischer Schulen zu verbessern. Der zweite Teil des Beschlussvorschlags lautete:

Sollten grundsätzlich keine Bedenken gegen die Installation des Aerovac-Systems bestehen, beauftragt der Ausschuss die Stadtverwaltung, je eine Lüftungsanlage “Eco Air Tube” in drei geeigneten Klassenräumen an verschiedenen Schulen der Stadt Bergheim zu installieren.

In der Begründung hieß es unter anderem:

Eine angemessene Belüftung von Klassenräumen verringert nicht nur das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus und anderen Krankheitserregern, sondern dient auch dem allgemeinen Wohlbefinden von Schüler*innen und Lehrer*innen. Schlechte Luft in Klassenräumen ist von jeher ein Problem. Lüftungsanlagen sind somit auch von Nutzen, wenn die Coronapandemie vorbei ist. Die Installation von drei Lüftungsanlagen ist ein erster Schritt zur Verbesserung der Luftqualität in Klassenräumen der Bergheimer Schulen.

Die Lüftungsanlagen von Aerovac wurden von zwei Familienvätern aus Mainz entwickelt, werden im Do-it-yourself-Verfahren installiert und kosten pro Einheit unter 1000 Euro. (Hier ein Bericht des Stern vom 28.01.2021.)

Die Stadtverwaltung Bergheim hat in ihrer Stellungnahme zu dem Antrag alle möglichen Bedenken aufgeführt. Zwei davon waren berechtigt, nämlich die Hinweise auf die Vergabeverordnung der Stadt Bergheim und auf die mögliche Geräuschbelästigung, wobei der genannte Wert von 40 dB(A) meines Wissens kein gesetzlicher Grenzwert ist.

Die anderen Bedenken deuteten darauf hin, dass die von Bürgermeister Volker Mießeler (CDU) geführte Stadtverwaltung offenbar schlichtweg kein Interesse daran hat, zusätzliche Belüftungsanlagen in Bergheimer Schulen zu installieren:

Zudem fallen folgende Themen auf: Einbau an Fenstern kritisch bzgl. Einbruchschutz, Abstimmung Unfallkasse bei in den Raum hineinragenden Fenstern erforderlich, Stabilität, Aufhängung, Witterungsschutz, ggfs. Veränderung der Raumakustik in den Räumen, Reinigung v. Staubablagerungen auf und in den Kanälen, Nachweis der Hygieneprüfung (VDI 6022) fehlt.

Es ist bemerkenswert, dass sich die Stadt Bergheim zum Beispiel um die Veränderung der Raumakustik und die Reinigung von Staubablagerungen Sorgen macht. Das hat natürlich Vorrang vor Infektionsschutz und guter Luft. Eine Hygieneprüfung nach VDI 6022 findet übrigens erst dann statt, wenn eine Lüftungsanlage installiert ist. Aber man kann’s ja mal versuchen, die Antragsteller ins Bockshorn zu jagen.2

Vor ein paar Tagen, am 20. April, ging’s zur Sache. Der Belüftungsantrag der Fraktion MDW!-Die Linke stand auf der Tagesordnung der dritten Sitzung des Schulausschusses. Ich habe als sachkundiger Bürger und Vertreter der Fraktion daran teilgenommen und den Antrag zur Verbesserung der Luft in Klassenräumen vertreten und versucht, die Bedenken der Stadtverwaltung zu entkräften. Den Beschlussvorschlag habe ich wie folgt abgeändert:

Der Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur beauftragt die Stadtverwaltung, drei Lüftungsanlagen des Typs „Eco Air Tube“ (mit Schalldämpfern) von Aerovac oder ggf. ähnliche Anlagen anderer Hersteller in geeigneten Klassenräumen Bergheimer Schulen zu installieren, regelmäßig zu warten und bei Bedarf zu reinigen.
Vor der Installation ist die Zustimmung der jeweils betroffenen Schule
einzuholen. Die Installation hat so zu erfolgen, dass der Einbruchschutz
gewahrt bleibt und die Aufhängung der Anlage stabil ist. Sofern notwendig, ist die Unfallkasse in das Vorhaben einzubinden.

Mein Bemühen war allerdings — wie zu erwarten war — völlig vergeblich. Die Stadtverwaltung blieb bei ihrer Position und bezeichnete ihre Bedenken als “K.o.-Faktoren”. Bemerkenswert ist, dass keinem anderen Ausschussmitglied das Problem “Schlechte Luft in Klassenräumen” überhaupt eine Wortmeldung wert war. Ich war der einzige, der für den Antrag stimmte, der Rest stimmte dagegen (CDU, SPD, FDP, AfD) oder enthielt sich (Grüne). Wo kein Wille ist, da ist auch kein Weg.



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Fußnote:

  1. Dieser Ausschuss heißt offiziell “Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur”.
  2. Weitere Bemerkungen zu dem einen oder anderen Detail der Stellungnahme der Stadtverwaltung und der Ausschusssitzung werden bei Gelegenheit folgen.

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